Es gibt bestimmte Dinge, die auf Instagram einfach nichts verloren haben. Perfekt drapierte Essensteller, makellose Körper sowie fantastische Urlaubsaufnahmen inszenieren die perfekte Scheinwelt. Eine Welt, in der alltägliche Probleme und Unstimmigkeiten nichts zu suchen haben. Und genau da möchte ich ansetzen:
Alles begann mit einer vermeintlichen Lappalie in meiner damaligen Single-Wohnung. Erste eigene Wohnung. Neue Katze.
Neuer Job. 40-Stunden-Woche. Die Situation war neu und ungewohnt. Für mich wie auch für Kitty. Bereits nach ein paar Wochen gemeinschaftlichen Wohnens wurde mir bewusst, dass ich mich für ein sehr lebhaftes und
dominantes Exemplar Katze entschieden hatte.
Ausgegrabene Blumenkübel sowie ein ausgeprägtes Revierverhalten mir
gegenüber waren an der Tagesordnung.
Ich meine, dass man bei einem Tiger in Miniatur-Format ab und an mit Kratzern
rechnen muss, sollte jedem bewusst sein. Alles schön und gut. Damit konnte ich leben. Schließlich schiebt man sein Kind
auch nicht einfach ab, nur weil es mal etwas schwierig ist.
Irgendwann aber, fing es an, dass Madame vor ihr Katzenklo machte, anstelle es ordnungsgemäß zu nutzen. Ich sah es als
eine Art Protest, der durch das viele Alleinsein zu Stande gekommen sein musste. Da die Wohnung aber zu klein für
eine Zweitkatze war, versuchte ich ihren Missmut anderweitig zu bekämpfen. Neue Spielzeuge mussten her.
Beruhigende Hormonstecker. Ein zweites Katzenklo zog ein. Dazu erfolgten ausgiebige Spielsessions an den Abenden und
Wochenenden. Dennoch wurde es nicht besser. Nun wurden sogar Teppiche in Mitleidenschaft gezogen. Wirklich jeder, der
eine Katze besitzt, weiß, dass der Geruch von Katzenurin einer der schlimmsten und unerträglichsten Gerüche ist, den
man sich nur vorstellen kann. Ich wusste nicht mehr weiter.
Zeit ging ins Land. Mit der Zeit lernte ich den Hausherren kennen. Da auch ihm die Kleine am Herzen lag, beschlossen wir
bereits nach kurzer Zeit zusammenzuziehen, da er als Student ihr weitaus mehr Zeit und Aufmerksamkeit widmen konnte,
als es mir möglich war. Am Anfang ging auch alles gut, doch bereits nach kurzer Zeit fingen die Probleme wieder an.
Dazu kam jetzt ein ungebändigter Agressionstrieb. So lieb sie auf den Instagramaufnahmen auch ausschaut - es war ein
innerlicher Kampf zwischen Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Mal hatte ich die liebste Katze auf Erden, dann wiederum griff sie
mich plötzlich aus unerklärlichen Gründen aus dem Hinterhalt an. Und ich rede hier nicht von einem natürlichen,
verspielten Jagdtrieb (!).
Wieder beratschlagten wir uns. So kam es letztendlich, dass wir Pünktchen ein neues zu Hause gaben. Wir hofften, dass
er, als Spielgefährte, grundlegend etwas an Kittys Sozialverhalten ändern würde.
Tja, Leute, was soll ich euch sagen? Das einzige, was sich wirklich änderte, war, dass nicht mehr ich die Zielscheibe
war, sondern Pünktchen - und wenn es mal wieder soweit war, dann in voller Bandbreite. Während der Kater brav sein
Katzenklo nutzte, fand sie immer wieder andere Ecken, in denen sie ihre Notdurft verrichtete - mit Vorliebe
Teppiche.
Mit diesem Zustand lebten wir einige Zeit, da wir immer noch Hoffnung hatten.
Selbst zu diesem Zeitpunkt wäre es mir aber nicht im Traum eingefallen, die Kleine abzugeben.
Der große Knall erfolgte dann letztendlich in der neuen Wohnung. Komplett renoviert, nagelneue Einrichtung.
Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte. Natürlich folgten uns die Probleme auch in die neue Wohnung.
Ihr könnt es euch
nicht vorstellen, wie es ist, nach einem langen Arbeitstag heim zu kommen, einen beißenden Geruch in der Nase zu
verspüren und sich die Frage zu stellen, welches Möbelstück oder welcher Teppich als nächstes in Mitleidenschaft
gezogen wurde.
Ich weiß es noch ganz genau. Es war ein Donnerstag Nachmittag, an dem ich beschloss, dass es einfach nicht mehr ging,
nachdem ihr auch der letzte Langflorteppich zum Opfer gefallen war. Diese Entscheidung war mit Abstand eine der
schwersten meines Lebens, das könnt ihr mir gewiss glauben. Aber ich hatte die Option, sie einem lieben Freund zu geben,
der es mit ihr probieren wollte und ihr zudem die Chance geben konnte, Freigängerin zu werden. Diese Möglichkeit
hatten wir mit einer Dachgeschosswohnung im 3.OG nun einmal nicht.
Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon öfters gehört, dass sich manche Katzen definitiv nicht als gemütliche Stubentiger
eignen und besser im Freien aufgehoben sind. Der Tierarzt unseres Vertrauens bestätigte uns diese These und gab uns den
Rat, es wirklich auszutesten. Mein Herz rutschte mir in die Hose. Schließlich lebte sie immer nur im Haus und war dieser
großen, bösen Welt, die sie da draußen erwartete, doch gar nicht gewachsen.
Das Ende vom Lied: Seitdem sie raus darf, hat sie sich komplett verändert. Sie ist zu einer ausgelasteten und ruhigen
Katze geworden, die gerne auf Mäusejagd geht und sich mit allen Katzen der Nachbarschaft prima versteht. Laut ihrem
neuen Herrchen führt sie sogar eine Art "Katzengang" an.
Ihr fragt euch an dieser Stelle jetzt bestimmt, was aus der Unsauberkeit geworden ist?
Nunja, sagen wir es mal so: Mutter Natur hat jetzt das Problem ;)
Was ich euch mit diesem Text sagen will: Manchmal muss man einfach loslassen, egal wie weh es tut. Kitty wäre als
reine Hauskatze niemals glücklich geworden. Und ich genauso wenig. Es war die beste Entscheidung. Für alle.
Gut, für Pünktchen nicht so ganz. Er hat an die 2 kg zugenommen, seitdem Kitty weg ist - mangels Bewegung.
Und so wurde aus Klein-Kitty eine wilde Amazone.
Eure Sabrina

